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26. Oktober 2019

"Das Boot ist voll"

Theater in der List: Tragödie als Theaterstück verarbeitet

Am vergangenen Freitag kamen die Jahrgänge 7 und 9 zu dem Theaterstück “Das Boot ist voll“ von Antonio Umberto Riccò in die Jugendkirche St. Josef.

In diesem Theatermonolog schlüpft der Schauspieler Willy Schlüter in die Rolle des Eisdielenbesitzers Vito, der von der Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa am 3.Oktober 2013, bei der 500 Afrikaner ertranken, berichtet.

Vito hatte sich bei einem Urlaub in die Insel verliebt dann einen Traum erfüllt, in dem er dort ein Eiscafé eröffnete. Er kaufte sich ein Boot und fuhr oft mit Freunden zum Angeln hinaus. So auch am 2. Oktober. Ständig klingelt während seiner Ausführungen das Handy. Vito drückt den Anruf weg und erinnert sich an damals. Er war in der Nachsaison mit sieben Freunden aufs Meer gefahren. In den frühen Morgenstunden wachte er durch Geräusche auf. Betroffen erzählt er nun von dem was geschah. In der Dunkelheit schwammen junge Frauen, Männer und Kinder im Wasser und riefen verzweifelt nach Hilfe. Was tun? Wen zuerst retten? Diese Hilflosigkeit lähmte ihn. Doch dann ging alles ganz schnell und die Crew zog 47 Flüchtlinge an Bord. Mehr passten nicht auf das Schiff, welches ansonsten zu kentern drohte. Langsam kamen auch andere Schiffe, die über den Notruf alarmiert wurden, hinzu. Doch die Küstenwache befahl allen in den Hafen zurückzukehren. Mitleid, Trauer, Ohnmacht und Zorn wechselten sich bei den Rettern ab. So viele Menschen waren auf See geblieben. Für sie gab es keine Rettung. Was war geschehen? Ein altes Fischerboot mit 500 Flüchtlingen besetzt trieb auf dem Meer, nur 500 m vor Lampedusa. Als die Flüchtlinge zwei andere Boote sahen, wollten sie auf sich aufmerksam machen und zündeten eine Decke an. Dann ging alles ganz schnell. Panik kam auf. Die eng unter Deck zusammengepferchten Menschen hatten keine Chance.

Vito freundete sich mit einem Flüchtling an. Dieser lebt heute in Schweden und arbeitet als Altenpfleger. So gibt er die Menschenwürde, die ihm entgegnet wurde, wieder weiter. Jedes Jahr zum 3. Oktober kommen die Geretteten nach Lampedusa. Vito und seine Freunde bekamen im Anschluss an diese Rettungsaktion noch viele Probleme mit den Behörden. Dieses Ereignis hat seine Sicht auf die Welt radikal verändert. Seitdem sieht er nicht den Flüchtling aus Afrika, sondern Menschen mit einem Gesicht, Wünschen, Träumen und einer Geschichte.

Nach gut einer Stunde Spielzeit stellt sich nun der Schauspieler den Fragen der Jugendlichen. Doch diese sind so betroffen, dass ihnen die Worte fehlen. Viele der 12-15-jährigen Schüler haben diese Katastrophe vor 6 Jahren auch noch nicht in den Medien verfolgt. Erst langsam, am Ende, traut sich eine Kleingruppe und geht mit dem Schauspieler ins Gespräch.

Manfred Quatmann von der Jugendkirche fasst abschließend nochmals zusammen, dass Flüchtlinge nichts anderes als Menschen mit Schicksalen sind.