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18. Februar 2018

Blind - was nun?

Gerd Steting gibt Einblicke in das Leben eines Sehbehinderten

Am vergangenen Donnerstag war auf Initiative einer Kollegin Gerd Steting einen ganzen Schultag zu Gast bei den achten Klassen der Oberschule Marienschule Cloppenburg. Die Mädchen und Jungen des Jahrgangs hatten im Deutschunterricht die Lektüre „Behaltet das Leben lieb“ von Jaap ter Haar gelesen.

Blind - und was nun?

In diesem Buch geht es um den 13-jährigen Jungen Beer, der sein Augenlicht durch einen Unfall verloren hat. In der darauffolgenden Zeit durchlebt er Phasen der tiefen Niedergeschlagenheit, aber ebenso auch Momente der Hoffnung. Nicht nur Beer, sondern auch seine Familie wird von einem auf den anderen Tag vor große Probleme gestellt, die nur mit einer riesigen Portion Einfühlungsvermögen bewältigt werden können.

Gerd Steting, der aus Sevelten kommt, kann diese Situation sehr gut nachempfinden. Anfang Januar 2012 diagnostizierte der Augenarzt bei ihm „Altersbedingte Makula-Degeneration“ (AMD). Dieses bedeutete einen radikalen Einschnitt in sein Privat- und Berufsleben. Bis dahin war Steting über 30 Jahre mit Herz und Seele Krankenpfleger im Cloppenburger St.-Josefs-Hospital gewesen. Doch dann kam die Diagnose. Fragen wie „Was nun? Was wird aus dem Beruf? Muss ich meine Hobbies aufgeben? Was wird mit der Familie, wie reagiert sie?“ quälten ihn. Nachdem er zunächst in ein tiefes Loch gefallen war, entschloss sich der heute 65-Jährige, offensiv mit seiner Erkrankung umzugehen, darüber aufzuklären und andere daran erkrankte Menschen zu ermutigen, nicht aufzugeben und ihnen aufzeigen, dass sie im Stande sind ihr Leben weiterhin so gestalten zu können, dass die Lebensfreude erhalten bleibt.

Gerd Steting selber hat seit Oktober 2016 ein Zertifikat in der Tasche und ist für den Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e.V. Regionalverein Landesteil Oldenburg – Kreisgruppe Oldenburger Münsterland tätig. Als qualifizierter Berater im Team des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Deutschland (DBSV) steht er Menschen, die dieses oder ein ähnliches Schicksal mit ihm teilen, mit Rat und Tat zur Seite.

Seinen Vortrag hatte der ehemalige Krankenpfleger in drei Bereiche gesplittet. Zunächst sprach er über seine Erkrankung und dann über den gesellschaftlichen Umgang mit Blinden und machte auf Situationen im Alltag aufmerksam, die ein sehender Mensch nicht als Gefahr wahrnimmt. Er nannte z.B. das willkürliche Abstellen eines Fahrrades außerhalb der dafür vorgesehenen Bereiche oder Barrieren in öffentlichen Gebäuden. Gerade im Straßenverkehr ist ein sehbehinderter Mensch großen Gefahren ausgesetzt. Er ermutigte die Jugendlichen, eine solche Person ruhig anzusprechen und Hilfe anzubieten. Dabei zeigte er auch, wie man sich einem Blinden nähert und ihn am Arm anfasst. Die Einrichtung von sogenannten Selbsthilfegruppen sei auch ein gutes Hilfsmittel fügte er an, da dort Menschen mit ähnlichen Problemen sich austauschen können. Dann sprach er Hilfsmittel wie z.B. Farbscanner, sprechende Uhren etc. an. Besonders wertvoll ist auch ein sogenanntes Orientierungstraining, welches dem Blinden Sicherheit im Alltag und Selbstständigkeit verleiht. Ein weiteres Mittel sind Bücher in Blindenschrift. Doch nicht jeder kann damit arbeiten. Älteren Menschen fällt es schwer, diese Schrift zu erlernen und Menschen, deren Fingerkuppen kaputt sind, haben hier ein Problem. Den Schülern gab er solche Karten in die Hand. Auch wenn ihr erblindet seid bzw. stark sehbehindert, braucht ihr nicht auf Sport zu verzichten. Im Gegenteil, Sport ist wichtig, so Gerd Steting. Kickern, Kegelsport oder Fußball mit einem Ball, der ein akustisches Signal abgibt, ist z.B. möglich.

Im dritten und letzten Teil seines Vortrages konnten die Jugendlichen Brillen aufsetzen, welche unterschiedliche Augenerkrankungen simulierten und versuchen, sich damit in der Turnhalle der Schule zurecht zu finden. Auch der allseits bekannte Blindenstock durfte erprobt werden.

Altersbedingte Makula-Degeneration ist die wohl häufigste Ursache für eine Sehbehinderung in Deutschland. Makula – gelber Fleck – nennt man die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut. Die Betroffenen verlieren ihre Sehkraft im Zentrum des Gesichtsfeldes. Diagnosen ergeben: Im schlimmsten Fall droht die Erblindung.

Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich sehr interessiert und teilweise konnte man eine Stecknadel fallen hören. Es kamen viele Fragen, die Gerd Steting auch bereitwillig beantwortete.

Der Didaktische Leiter Ingo Gerdes dankte Gerd Steting für seine ausführlichen und anschaulichen Informationen. Für die Schüler und Schülerinnen war es ein Schultag der besonderen Art. Sie werden diesen Vortrag so schnell nicht vergessen und haben eine Menge an Informationen mitgenommen.